Wenn der Lack nicht haftet – Ein Blick auf die Grenzfläche

„Der Lack zieht sich zurück.“
„Wir bekommen immer wieder Reklamationen.“
„In der Produktion sieht alles sauber aus – aber irgendetwas stimmt nicht.“

Solche Anfragen erreichen uns regelmäßig, wenn lackierte Kunststoffbauteile plötzlich Benetzungsprobleme zeigen. Sichtbar wird das Problem oft erst im fertigen Produkt: Der Lack benetzt nicht richtig und bildet Tröpfchen oder Krater. Manchmal gibt es auch Haftungsprobleme und der Lack löst sich partiell wieder ab.

Doch die eigentliche Ursache liegt fast immer dort, wo man sie nicht sieht – in den obersten Nanometern der Oberfläche.

Das Problem liegt im Nanometerbereich

Grundvoraussetzung damit ein Lack haftet, die Oberfläche muss benetzbar sein. Entscheidend ist dabei die chemische Zusammensetzung der Grenzfläche zwischen Kunststoff und Beschichtung.

Bereits extrem dünne Kontaminationsschichten – beispielsweise aus Silikonölen, Trennmitteln oder migrierenden Additiven – können die Oberflächenenergie so verändern, dass der Lack keine stabile Bindung eingeht.

Das Schwierige: Wir sprechen hier über Schichten im Bereich von 5–10 Nanometern. Das entspricht etwa einem Tausendstel der Dicke eines menschlichen Haares.

Ein konkreter Fall aus der Praxis

Bei einem Kunden zeigte sich eine typische Lackfehlstelle:

  • Im betroffenen Bereich bildete der Lack kleine Tröpfchen – ein klares Zeichen für mangelhafte Benetzung.
  • Optisch war die Oberfläche des Rohteils unauffällig.
  • Erst die Analyse mit ESCA (Electron Spectroscopy for Chemical Analysis) brachte Klarheit.

Was die ESCA-Analyse zeigte

Im Fehlstellenbereich wurde eine deutlich erhöhte Silizium-Konzentration von 8–14 at% gemessen.

Die detaillierte Spektrenauswertung ergab eindeutig: Das Siliziumsignal stammte von einem Silikonöl.

Nach einer Reinigung mit Aceton verschwand das Silizium-Signal vollständig.

Die Ursache war somit klar identifiziert: Eine hauchdünne Silikonkontamination hatte die Benetzung verhindert.

Warum solche Fälle typisch sind

Silikonverbindungen sind in industriellen Umgebungen allgegenwärtig – in Schmiermitteln, Trennmitteln, Dichtungen oder auch durch Umgebungsübertragungen.

Schon geringste Mengen reichen aus, um die Oberflächenenergie zu verändern und die Adhäsion massiv zu beeinträchtigen.

Ohne eine oberflächenempfindliche Methode wie ESCA bleibt die Ursache häufig im Verborgenen – und Reklamationen wiederholen sich.

Fazit

Haftungsprobleme bei lackierten Kunststoffbauteilen entstehen oft nicht durch den Lack selbst, sondern durch unsichtbare Veränderungen der Oberfläche.

Die gezielte Oberflächenanalyse im Nanometerbereich ermöglicht es, Kontaminationen eindeutig nachzuweisen und Prozesse nachhaltig zu verbessern.

Und genau dort beginnt echte Ursachenanalyse.

Sie haben ein ähnliches Problem? Unser Team unterstützt Sie bei der Schadensanalyse und Identifikation von Oberflächenkontaminationen. Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Beratung.