PV 1303 – Lichtechtheit

Lassen Sie Ihre Materialien normkonform prüfen

Anwendungsbereich

Die PV 1303 ist eine konzerninterne Prüfvorschrift der Volkswagen AG zur Bestimmung der Lichtechtheit und Wärmebeständigkeit nichtmetallischer Werkstoffe im Fahrzeuginnenraum. Die Norm simuliert die langfristige Einwirkung von Sonnenlicht durch eine Windschutzscheibe auf Interieur-Bauteile. Durch die kontrollierte Bestrahlung mit gefiltertem Xenonbogenlicht werden Farbveränderungen und Alterungserscheinungen unter reproduzierbaren Laborbedingungen beschleunigt nachgebildet. Die Prüfung ist verbindlich für alle Zulieferer der Volkswagen-Gruppe (VW, Audi, SEAT, Škoda, Porsche) und wird in den jeweiligen Technischen Lieferspezifikationen (TL) referenziert.

Prüfumfang

Prüfprinzip und Verfahren Bei der Prüfung nach PV 1303 werden die Probekörper in einem Xenonbogenlampen-Bewitterungsgerät einer gefilterten Strahlung ausgesetzt, die das Tageslichtspektrum hinter Fensterglas simuliert. Durch den Einsatz spezieller Innenraumfilter (Fensterglas-Filtersystem) wird die spektrale Verteilung so angepasst, dass sie der realen Sonneneinstrahlung durch eine Fahrzeugverglasung entspricht. Die Bestrahlung erfolgt im stationären (nicht-rotierenden) Modus unter trockenen Bedingungen – die Proben sind dabei ununterbrochen der Lichtquelle zugewandt, sodass keine Hell-Dunkel-Wechsel stattfinden. Die Bestrahlungsstärke wird im Wellenlängenbereich 300–400 nm geregelt. Gleichzeitig werden die Schwarzstandardtemperatur (BST) und die Kammertemperatur kontrolliert, um die thermische Belastung im Fahrzeuginnenraum bei intensiver Sonneneinstrahlung nachzubilden. Die Prüfbedingungen orientieren sich an der Belichtungsbedingung Nr. 3 nach DIN EN ISO 105-B06 (ehemals DIN 75202), die speziell für Kfz-Innenraumanwendungen definiert wurde. Typische Prüfparameter umfassen eine Schwarzstandardtemperatur von 100 °C, eine Kammertemperatur von ca. 65 °C und eine niedrige relative Luftfeuchtigkeit von ca. 20 %. Belichtungsdauer und Prüfzyklen Die Belichtungsdauer wird in der PV 1303 nicht als feste Stundenanzahl vorgegeben, sondern über Belichtungsperioden definiert. Eine Belichtungsperiode entspricht der Bestrahlungszeit, die erforderlich ist, um den Blaumaßstab-Referenztyp Nr. 6 (Wollskala nach ISO 105-B) auf die Graumaßstab-Note 3 zu verfärben. Dies entspricht einer Farbänderung von etwa ΔE = 4,3 und einer Bestrahlungsenergie von ca. 11–13 MJ/m² im Bereich 300–400 nm bzw. einer Prüfdauer von etwa 60–70 Stunden pro Periode. Die Anzahl der geforderten Perioden wird in der jeweiligen Technischen Lieferspezifikation (TL) festgelegt und richtet sich nach dem Einbauort des Bauteils – direkt besonnte Bereiche wie Instrumententafel oder Hutablage erfordern in der Regel mehr Perioden als abgeschattete Bereiche. Bewertung der Prüfergebnisse Nach Abschluss der Belichtung werden die Proben visuell und instrumentell bewertet. Die Beurteilung der Farbänderung erfolgt anhand des Graumaßstabs zur Bewertung der Änderung der Farbe nach DIN EN 20105-A02 (ISO 105-A02). Die Bewertungsskala reicht von Note 5 (keine Farbänderung) bis Note 1 (starke Farbänderung), wobei auch Halbstufen vergeben werden können. Ergänzend können colorimetrische Messungen (z. B. CIELAB-Farbabstandswerte ΔL*, Δa*, Δb* und ΔE*) durchgeführt werden, um die Farbverschiebung objektiv zu quantifizieren. Neben der reinen Farbbeurteilung werden an den belichteten Proben häufig weitere Restbeständigkeitsprüfungen vorgenommen, darunter die Bestimmung der Restreißfestigkeit, der Restbruchdehnung und der Restscheuerfestigkeit. Diese zusätzlichen Prüfungen geben Aufschluss darüber, ob die mechanischen Eigenschaften des Werkstoffs durch die Licht- und Wärmeeinwirkung beeinträchtigt wurden. Abgrenzung zu verwandten Normen Die PV 1303 richtet sich ausschließlich auf den Fahrzeuginnenraum. Für die Lichtechtheitsprüfung von Exterieur-Bauteilen kommt die Schwesternorm PV 3930 (Feucht-Warm-Bewitterung, Florida-Test) zum Einsatz, die abweichende Belichtungsbedingungen mit Hell-Dunkel-Zyklen und Feuchtigkeitsphasen vorsieht. Die normative Grundlage für die Prüfmethodik bildet die DIN EN ISO 105-B06, die international fünf verschiedene Belichtungsbedingungen definiert – die PV 1303 bezieht sich dabei auf die Belichtungsbedingung Nr. 3 (ehemals DIN 75202). Für nordamerikanische OEM-Anforderungen wird alternativ häufig SAE J2412 (Belichtungsbedingung Nr. 5 nach ISO 105-B06) herangezogen. Die allgemeinen Prüfverfahren zur Kunststoff-Bewitterung sind in DIN EN ISO 4892-2 beschrieben.

Typische Prüfmaterialien

Kunststoffteile (Spritzguss, Folien, Schäume) Textilien und textile Flächengebilde Leder und Kunstleder Lacke und Beschichtungen Gummiteile und Elastomere Dekorhölzer und Furniere Verbundwerkstoffe und Folienlaminate

Geprüfte Fachkompetenz

  • Akkreditiertes Prüflabor nach DIN EN ISO/IEC 17025
  • Schnelle Durchlaufzeiten und persönliche Beratung

Häufig gestellte Fragen

Was prüft die PV 1303?

Die PV 1303 prüft die Lichtechtheit und Wärmebeständigkeit nichtmetallischer Werkstoffe, die im Fahrzeuginnenraum verbaut werden. Mithilfe einer gefilterten Xenonbogenlampe wird die langfristige Einwirkung von Sonnenlicht durch eine Fahrzeugverglasung simuliert. Bewertet werden Farbveränderungen anhand des Graumaßstabs nach DIN EN 20105-A02 sowie optional mechanische Restbeständigkeiten wie Reißfestigkeit und Scheuerfestigkeit.

Welche Materialien können nach PV 1303 geprüft werden?

Die Norm erfasst alle nichtmetallischen Interieur-Werkstoffe: Kunststoffe, Textilien, Leder, Kunstleder, Lacke, Gummiteile, Elastomere, Dekorhölzer sowie textil- und folienlaminierte Bauteile. Typische Prüflinge sind Instrumententafeln, Türverkleidungen, Sitzbezüge, Lenkräder und Hutablagen.

Wie lange dauert eine Prüfung nach PV 1303?

Die Prüfdauer hängt von der Anzahl der geforderten Belichtungsperioden ab, die in der Technischen Lieferspezifikation (TL) des jeweiligen Bauteils festgelegt wird. Eine Belichtungsperiode dauert in der Regel 60–70 Stunden. Je nach Bauteil werden typischerweise 1 bis 5 Perioden gefordert, sodass die reine Belichtungszeit zwischen ca. 3 und 15 Tagen liegen kann. Inklusive Probenvorbereitung und Auswertung erhalten Sie Ihre Ergebnisse zeitnah. Express-Service ist auf Anfrage möglich.

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Christopher Wolf

Christopher Wolf

Spezialist Automotive-Prüfung