Anwendungsbereich
Die PV 1210 – Korrosionswechseltest ist eine Prüfvorschrift der Volkswagen AG zur Bewertung der Korrosionsbeständigkeit von Karosserieteilen, Anbauteilen und Fahrwerkskomponenten. Sie simuliert durch zyklisch wechselnde Klimabelastungen die realen Umweltbedingungen, denen Fahrzeugbauteile im Betrieb ausgesetzt sind. Die normkonforme Prüfung gewährleistet die Vergleichbarkeit und Reproduzierbarkeit der Ergebnisse und ist verbindlich für Zulieferer des Volkswagen-Konzerns.
Prüfumfang
Prüfablauf und Zyklusstruktur Die PV 1210 basiert auf einem 24-Stunden-Tageszyklus, der drei aufeinanderfolgende Klimaphasen umfasst: Salzsprühnebelphase (4 Stunden): Besprühung der Proben mit einer Natriumchlorid-Lösung mit einer Massenkonzentration von (50 ± 5) g/l gemäß DIN 50021-SS (neutraler Salzsprühnebeltest, NSS-Verfahren). Die Kammertemperatur beträgt dabei 35 °C. Normalklima-Lagerung (4 Stunden): Konditionierung der Proben im Standardklima nach DIN 50014-23/50-2 bei 23 °C und 50 % relativer Luftfeuchte. Diese Phase dient der Abkühlung und dem Ausgleich der Probenoberfläche. Feuchtwarm-Lagerung (16 Stunden): Lagerung unter konstantem Kondenswasserklima nach DIN 50017-KK bei einer Temperatur von (40 ± 3) °C und nahezu 100 % relativer Luftfeuchte. Dieser 24-Stunden-Zyklus wird an fünf aufeinanderfolgenden Tagen (Montag bis Freitag) durchgeführt. Anschließend folgt eine 48-stündige Ruhephase im Normalklima nach DIN 50014-23/50-2, die dem Wochenende entspricht. Eine Prüfwoche besteht somit aus fünf Tageszyklen plus zwei Tagen Ruhephase. Prüfdauer und Zyklenanzahl Die Gesamtprüfdauer richtet sich nach der spezifischen Bauteilanforderung. Übliche Prüfumfänge betragen 15, 30, 60 oder 90 Zyklen. Bei 15 Zyklen ergibt sich eine Prüfdauer von drei Wochen, bei 30 Zyklen von sechs Wochen. Für besonders kritische Karosseriebauteile oder hochbeanspruchte Fahrwerkskomponenten werden häufig 60 bis 90 Zyklen gefordert, was einer Prüfdauer von bis zu 18 Wochen entspricht. Bewertungskriterien Nach Abschluss der Prüfung erfolgt die Bewertung der Proben anhand mehrerer normierter Kriterien: Rostgrad nach DIN EN ISO 4628-3: Der Grad der Rostbildung auf der Beschichtungsoberfläche wird auf einer Skala von Ri 0 (keine sichtbare Korrosion) bis Ri 5 (starke Durchrostung) bewertet. Bei Erreichen von Ri 5 oder bei Korrosionsdurchbrüchen wird die Prüfung vorzeitig abgebrochen. Blasengrad nach DIN EN ISO 4628-2: Beurteilt werden Größe und Dichte von Blasenbildung auf der Beschichtung. Enthaftung und Unterwanderung nach DIN EN ISO 4628-8: Vor der Prüfung wird ein definierter Ritz (Scribe) in die Beschichtung eingebracht. Nach der Prüfung wird die vom Ritz ausgehende Enthaftung bzw. korrosive Unterwanderung gemessen und bewertet. Korrosionsart und -form: Dokumentiert werden die Korrosionsart (Substrat- oder Beschichtungskorrosion), die Korrosionsform (Flächenkorrosion, Kantenkorrosion) sowie der Korrosionsfortschritt.
Typische Prüfmaterialien
Karosseriebleche und Strukturbauteile Beschichtete und lackierte Metallteile Fahrwerks- und Anbauteile Verbindungselemente und Schraubverbindungen Elektronikkomponenten mit Korrosionsschutzanforderung
Geprüfte Fachkompetenz
- Akkreditiertes Prüflabor nach DIN EN ISO/IEC 17025
- Schnelle Durchlaufzeiten und persönliche Beratung