DIN EN ISO 11357-1 – DSC

Lassen Sie Ihre Materialien normkonform prüfen

Anwendungsbereich

DIN EN ISO 11357-1 (aktuelle Fassung: 2023) legt die allgemeinen Grundlagen der Dynamischen Differenzkalorimetrie (DSC) für Kunststoffe fest. Die Norm beschreibt das Messprinzip, die Geräteanforderungen, die Probenvorbereitung, die Kalibrierung sowie allgemeine Verfahrensaspekte, die für alle Teile der Normenreihe ISO 11357 gelten. Sie ist anwendbar auf Thermoplaste (mit und ohne Füllstoffe, Fasern oder Verstärkungen), Duroplaste (unvernetzt oder vernetzt) und Elastomere.

Prüfumfang

Was ist DSC? Bei der Dynamischen Differenzkalorimetrie wird die Wärmestromdifferenz zwischen einer Probe und einer inerten Referenz gemessen, während beide einem kontrollierten Temperaturprogramm (Aufheizen, Abkühlen oder isotherme Haltezeit) unterzogen werden. Endotherme Prozesse (Schmelzen, Glasübergang) und exotherme Prozesse (Kristallisation, Vernetzung) erscheinen als charakteristische Peaks oder Stufen im DSC-Signal. Die Fläche unter dem Peak entspricht der zugehörigen Enthalpie. Messbare Kenngrößen Glasübergangstemperatur (Tg): Temperatur, bei der ein Polymer vom spröden, glasartigen in den weichen, gummielastischen Zustand übergeht – entscheidend für die Einsatzgrenzen von Kunststoffen. Schmelztemperatur (Tm): Endothermer Schmelzpeak teilkristalliner Polymere, charakteristisch für den jeweiligen Kunststofftyp (z.B. PE-HD ca. 130–135 °C, PP ca. 160–170 °C, PA 6 ca. 220 °C). Kristallisationstemperatur (Tc): Exothermer Peak beim Abkühlen – gibt Rückschlüsse auf Kristallisationsverhalten und Verarbeitungsbedingungen. Schmelz- und Kristallisationsenthalpie: Aus dem Flächenintegral der Peaks berechenbar. Ermöglicht die Bestimmung des Kristallinitätsgrads, wenn Referenzwerte für 100 % kristallines Material vorliegen. Reaktionsenthalpie: Wärmemenge bei chemischen Reaktionen wie Vernetzung, Aushärtung oder Polymerisation von Duroplasten und Elastomeren. Oxidationsinduktionszeit (OIT): Bestimmung der thermischen Stabilisierung gemäß ISO 11357-6. Spezifische Wärmekapazität (cp): Bestimmbar gemäß ISO 11357-4. Typische Messparameter Temperaturbereich: ca. –150 °C bis 700 °C (materialabhängig) Heizrate: Standardmäßig 10 K/min oder 20 K/min gemäß ISO 11357 Probenmasse: 5–20 mg in Aluminium- oder Platintiegeln Atmosphäre: Stickstoff (inert) oder synthetische Luft, abhängig von der Fragestellung Kalibrierung: Mit zertifizierten Referenzmaterialien (z.B. Indium, Zink) für Temperatur und Enthalpie Anwendungsbereiche der DSC Kunststoffcharakterisierung: Identifikation und Unterscheidung von Polymertypen anhand ihrer thermischen Übergänge Qualitätskontrolle: Wareneingangskontrolle, Chargenvergleich, Prüfung der thermischen Vorgeschichte Schadensanalyse: Erkennung von Materialverwechslungen, unzureichender Stabilisierung oder fehlerhafter Verarbeitung Forschung und Entwicklung: Optimierung von Rezepturen, Additivsystemen und Verarbeitungsparametern Die Normenreihe ISO 11357 DIN EN ISO 11357-1 bildet die Grundlage für spezialisierte Teile: Teil 2: Bestimmung der Glasübergangstemperatur (Tg) Teil 3: Bestimmung der Schmelz- und Kristallisationstemperatur sowie der Enthalpie Teil 4: Bestimmung der spezifischen Wärmekapazität Teil 5: Bestimmung charakteristischer Reaktionsgrößen (Enthalpie, Umsatz) Teil 6: Bestimmung der Oxidationsinduktionszeit (OIT)

Typische Prüfmaterialien

Kunststoffe, Metalle, Verbundwerkstoffe, Textilien, Beschichtungen, Elastomere

Geprüfte Fachkompetenz

  • Akkreditiertes Prüflabor nach DIN EN ISO/IEC 17025
  • Schnelle Durchlaufzeiten und persönliche Beratung

Häufig gestellte Fragen

Welche Probenmenge wird für eine DSC-Messung nach ISO 11357 benötigt?

Für eine DSC-Messung werden typischerweise 5 bis 20 mg Probenmaterial benötigt. Die Probe wird in einen Aluminium- oder Platintiegel eingewogen. Bei Granulaten, Folien oder Formteilen genügt ein kleines Stück. Wichtig ist eine möglichst gleichmäßige Kontaktfläche zum Tiegelboden für reproduzierbare Ergebnisse.

Kann man mit DSC verschiedene Kunststofftypen unterscheiden?

Ja, die DSC ist eine der wichtigsten Methoden zur Kunststoffidentifikation. Jeder Polymertyp besitzt charakteristische thermische Übergänge: Die Schmelztemperatur von PE-HD liegt bei ca. 130–135 °C, von PP bei ca. 160–170 °C und von PA 6 bei ca. 220 °C. Auch amorphe Kunststoffe wie PC oder PMMA lassen sich über ihre Glasübergangstemperatur zuordnen.

Was ist der Unterschied zwischen DSC und TGA?

Die DSC misst Wärmeströme und erfasst thermische Übergänge wie Schmelzen, Kristallisation und Glasübergang. Die TGA (Thermogravimetrische Analyse nach ISO 11358) misst die Massenänderung einer Probe als Funktion der Temperatur und eignet sich zur Bestimmung von Füllstoffgehalten, Zersetzungstemperaturen und flüchtigen Bestandteilen. Beide Methoden ergänzen sich in der thermischen Analytik.

Ihr Ansprechpartner

Rainer Ziel

Rainer Ziel

Werkstoffprüfer